Die Ärztekammer Niedersachsen hat sich in den vergangenen Monaten gegen das Cannabisgesetz (CanG) positioniert – und das mit scharfen Worten. In ihrer Resolution vom 14. März 2026 fordert sie die Rücknahme der Cannabis-Legalisierung und bezeichnet sie als gesundheitspolitischen Fehler. Vizepräsident Dr. Ulrich Buck kritisierte insbesondere, dass der im Gesetz angedachte Kinder- und Jugendschutz gescheitert sei. Doch wer die Interessen von Ärztinnen und Ärzten ernst nimmt, sollte auch die Interessen von Patientinnen und Patienten hören. Genau darum geht es bei dieser E-Mail-Aktion.
Ich begleite die Cannabis-Debatte seit Jahren aus der Perspektive von Betroffenen, Wissenschaft und politischem Aktivismus. Was mich an der aktuellen ÄKN-Position beunruhigt, ist nicht die Fachwarnung – die ist wichtig. Sondern die selektive Wahrnehmung. Während Zwischenfälle mit Cannabis öffentlich hochgehangen werden, bleiben die Schicksale chronisch Kranter und die Erfolge ärztlicher Verschreibungsmodelle in den Hintergrund gedrängt.
Ziel der Aktion
Diese Aktion richtet sich an die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) und ihre Mitglieder. Ziel ist eine sachliche, evidenzbasierte Auseinandersetzung mit dem CanG. Wir bitten die Kammer:
- Position überdenken: Die ÄKN-Forderung nach Rücknahme der Legalisierung verunsichert Patientinnen und Patienten und ignoriert evidenzbasierte Versorgungsstrukturen.
- Patientenrechte stärken: Individuelle Verschreibungswege, ärztliche Autonomie und Schadenminimierungsangebote für Erwachsene sollen erhalten bleiben.
- Schadenminimierung ernst nehmen: Regulierter Erwachsenenkonsum, Jugendschutz und die Verdrängung des Schwarzmarktes sind keine Feindbilder, sondern Prozesse, die medizinisch begleitet werden müssen.
- Transparenz herstellen: Welche Daten liegen der Position der Kammer zugrunde? Werden alle wissenschaftlichen Stimmen gehört?
Warum die Ärztekammer Niedersachsen?
Ärztekammern sind Berufsvertretungen mit großem politischem Gewicht. Wenn eine Kammer das CanG frontal ablehnt und politisch aktiv bekämpft, strahlt das auf andere Bundesländer und auf die Position der Bundesärztekammer aus. Niedersachsen ist mit dieser Haltung kein Einzelfall, aber die Aktualität und vehemente Sprache machen sie zum Brennpunkt.
Parallel arbeiten wir an einer Reihe von Anfragen und Artikeln zu den Positionen der ÄKN. Wer sich vertiefen möchte, findet aktuelle Analysen dazu:
- 6 Fragen an die ÄKN – und das beredte Schweigen einer Ärztekammer
- EKOCAN-Evaluierung: Rückläufiger Jugendkonsum – und die ÄKN sagt nichts
- BIÖG-Studie 2025 und die ÄKN: Selektive Wissenschaft als Politikmittel
- Mehr als 74.000 Tote pro Jahr – und Cannabis ist das Problem?
Du möchtest neben der Ärztekammer Niedersachsen auch politisch auf Bundesebene aktiv werden? In der allgemeinen CanG E-Mail-Aktion findest du eine passende Vorlage, um Politikerinnen und Politiker direkt anzusprechen.
Was eine überzeugende E-Mail auszeichnet
Schreibst du selbst oder nutzt du die untenstehende Vorlage – achte auf diese Punkte:
- Sachlichkeit: persönliche Angriffe schwächen das Anliegen. Fakten, Erfahrungen und konkrete Fragen wirken.
- Eigenständigkeit: kopiert wirkenden Massenmail-Text ignorieren Mailfilter. Ein individueller Satz reicht.
- Bezug zur Region: Wenn du in Niedersachsen lebst oder ärztlich tätig bist, nenne das.
- Konkrete Forderung: „Nehmen Sie Ihre Forderung nach Rücknahme der Legalisierung zurück“ ist präziser als allgemeine Kritik.
Kernbotschaft: „Ich bitte die Ärztekammer Niedersachsen, den Kurs gegen das CanG zu überdenken. Patientenrechte, ärztliche Freiheit und evidenzbasierte Schadenminimierung dürfen nicht zugunsten symbolischer Verbote geopfert werden.«
E-Mail-Vorlage oder eigenentwurf
Nutze die Vorlage als Ausgangspunkt, aber ergänze mindestens einen eigenen Satz – zum Beispiel über deine persönliche Motivation, deine Region oder eine konkrete Frage an die Kammer.
Empfänger
Ärztekammer Niedersachsen www.aekn.de Thema: Position der ÄKN zum CanG
Betreff
„Bitte überdenken Sie Ihre Position zum CanG – Patientenrechte brauchen Rückhalt“
Vorlage (Text)
Sehr geehrte Damen und Herren, mit großer Sorge verfolge ich die Position der Ärztekammer Niedersachsen zum Cannabisgesetz. Ich bin der Überzeugung, dass medizinische Entscheidungen auf Evidenz, nicht auf Symbolpolitik basieren sollten. Das CanG ist nicht perfekt, aber es schafft den Rahmen für Jugendschutz, Qualitätskontrolle und die Entlastung vieler Patientinnen und Patienten. Ich bitte Sie daher: - Überdenken Sie Ihre Forderung nach Rücknahme der Cannabis-Legalisierung. - Setzen Sie sich für den Erhalt ärztlicher Verschreibungsmöglichkeiten ein. - Hören Sie auch jene Stimmen, die von positiven Erfahrungen mit Cannabis-Therapien berichten. Vielen Dank für Ihre Arbeit – und für einen offenen, sachlichen Dialog. Mit freundlichen Grüßen [Dein Name] [Postleitzahl/Ort, falls gewünscht]
Weiterhelfen
Die Aktion ist unabhängig, nicht parteigebunden und richtet sich ausschließlich an die inhaltliche Position der ÄKN. Sie ergänzt die laufende Berichterstattung auf Cannachris und die Arbeit des Deutschen Hanfverbandes.
Bitte teile diese Aktion, wenn du sie sinnvoll findest. Je mehr sachliche Stimmen die Kammer erreichen, desto größer ist der Druck auf einen transparenten Diskurs.
