Es gibt Momente in der politischen Debatte, die mich nicht wütend machen, sondern einfach müde. Dieser ist so einer. Die Bundesregierung hat die Pflicht, die Cannabis-Legalisierung wissenschaftlich zu evaluieren. Das passiert. Das Projekt heißt EKOCAN. Die Ergebnisse zur Jugendkonsumentwicklung zeigen einen rückläufigen Trend. Und die Ärztekammer Niedersachsen, die im März 2026 die Rücknahme der Legalisierung mit Jugendschutzargumenten fordert, erwähnt diese Evaluierung mit keinem einzigen Wort.
Was EKOCAN ist – und warum es zählt
EKOCAN steht für die offizielle Evaluierung des Cannabisgesetzes (CanG), die im Rahmen der gesetzlichen Monitoring-Pflicht durchgeführt wird. Es handelt sich nicht um eine Aktivistenstudie, nicht um ein Interessengruppen-Papier. Es ist das staatliche Monitoring-Instrument der Bundesregierung für die wichtigste drogenpolitische Reform Deutschlands seit Jahrzehnten.
EKOCAN erfasst systematisch: Konsumverhalten in verschiedenen Altersgruppen, Entwicklung des Schwarzmarkts, Zugangswege zu Cannabis, Gesundheitsfolgen, und explizit den Jugendschutz. Das sind genau die Fragen, die in der politischen Debatte gestellt werden. Das ist der Sinn der Evaluierung.
Wer gegen die Legalisierung argumentiert und dabei Jugendschutz ins Feld führt, muss sich die Frage gefallen lassen, warum er das wichtigste laufende Evaluierungsinstrument zu genau dieser Frage nicht zitiert.
Was EKOCAN bei Jugendlichen zeigt
Die Zwischenergebnisse der EKOCAN-Evaluierung zeigen für die Gruppe der Jugendlichen unter 18 Jahren einen rückläufigen Konsumtrend seit Inkrafttreten der Legalisierung. Das steht im direkten Widerspruch zu dem, was man intuitiv erwarten könnte – und zu dem, was Legalisierungsgegner befürchtet hatten.
Die Erklärung liegt auf der Hand: Legale Anbieter prüfen Ausweise. Schwarzmarkt-Dealer nicht. Ein regulierter Markt schützt Minderjährige strukturell besser als das Verbot. Das bedeutet nicht, dass keine Risiken existieren – aber die pauschale Warnung vor explodierendem Jugendkonsum wird durch die Evidenz nicht gestützt.
Die Stille der ÄKN zu EKOCAN
Im ÄKN-Statement vom 14. März 2026: kein Hinweis auf EKOCAN. Kein Zitat, keine Erwähnung als Gegenposition, keine Fußnote. Für eine Körperschaft, die mit wissenschaftlichen Argumenten operiert, ist das ein auffälliges Schweigen.
Es gibt zwei mögliche Erklärungen. Entweder ist EKOCAN der ÄKN nicht bekannt – was für eine ärztliche Institution, die politische Forderungen zur Drogenpolitik stellt, erschreckend wäre. Oder EKOCAN ist bekannt, und die Entscheidung gegen eine Zitierung war bewusst. Beides ist inakzeptabel für eine öffentliche Körperschaft, die den Anspruch wissenschaftlicher Argumentation erhebt.
Was du jetzt tun kannst
Diese Kampagne läuft parallel zu allem anderen, was ich auf cannachris.de mache – und sie hat jetzt schon Wirkung gezeigt. Ähnlich wie bei der E-Mail-Aktion für Cannabis Social Clubs, die Druck auf Genehmigungsbehörden ausgeübt hat, geht es hier um Sichtbarkeit durch Masse.
Über 150 Menschen haben der ÄKN bereits sechs wissenschaftliche Fragen gestellt – eine davon explizit zu EKOCAN. Die Antwort fehlt. Aber mit jedem weiteren Absender wird die Dokumentation dieses Schweigens vollständiger.
Stell jetzt deine E-Mail – 2 Minuten, vollständig ausgefüllt →
Alle Hintergrundartikel zu dieser Kampagne findest du im Cannachris Blog. Der Artikel zu den Interessenkonflikten rund um Camurus und StEP erscheint am 25. April.
📚 Quellen: EKOCAN – Evaluierung des Cannabisgesetzes (CanG § Evaluierungspflicht) · ÄKN-Resolution 14.03.2026 · Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (bzga.de) · Vollständige Quellen: cannachris.de/aekn-anfrage