Ich trinke seit Jahren sehr wenig Alkohol (Bier). Das ist meine persönliche Entscheidung, keine Predigt. Aber wenn ich sehe, wie Deutschland über Cannabis diskutiert und dabei Alkohol so behandelt, als wäre es Sprudelwasser, dann verliere ich langsam die Geduld. Besonders wenn es eine Ärztekammer ist, die das tut.
Die Zahl, die in keiner ÄKN-Resolution steht
Rund 74.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich an den direkten Folgen von Alkohol – das ist die Größenordnung, die das Robert Koch-Institut und die Destatis-Todesursachenstatistik ausweisen. Leberversagen, alkoholbedingte Herzerkrankungen, Unfälle, Suizide unter Alkoholeinfluss. 74.000 pro Jahr. Das entspricht einer mittelgroßen deutschen Stadt.
Tabak: Laut DKFZ rund 127.000 Todesfälle jährlich in Deutschland durch Tabakkonsum – direkte und indirekte Folgen zusammengenommen.
Cannabis: Direkte Todesfälle durch Cannabis-Konsum in Deutschland? Statistisch nicht messbar. Nicht weil niemand schaut, sondern weil die Zahl nicht existiert. Cannabis ist die einzige weit verbreitete Droge, für die keine direkte Letaldosis beim Menschen dokumentiert ist.
Was die ÄKN fordert – und was sie nicht fordert
Die Ärztekammer Niedersachsen hat im März 2026 eine Resolution verabschiedet, die die Rücknahme der Cannabis-Legalisierung fordert. Mit Gesundheitsargumenten, mit Jugendschutzargumenten, mit Verweisen auf Risiken für das Gehirn, für die psychische Gesundheit, für die Gesellschaft.
Gleichzeitig: Kein ÄKN-Statement zur Alkohol-Werbung in Sportstadien. Keine Resolution zur Regulierung von Bier-Sponsoring bei Jugendveranstaltungen. Keine öffentliche Forderung nach einer Alkohol-Steuererhöhung, die nachweislich Leben rettet. Keine Resolution zu Tabak.
Das ist keine Kritik an der Arbeit der Ärztekammer im Allgemeinen. Das ist eine spezifische Beobachtung: Wenn Gesundheitsrisiko das Maß aller Dinge ist, dann müssen alle Substanzen am gleichen Maß gemessen werden. Wenn das nicht passiert, ist das kein wissenschaftliches Argument – es ist Selektivität.
Was ich verlange – und was ich nicht verlange
Ich verlange nicht, dass Alkohol verboten wird. Erwachsene entscheiden selbst. Das ist Freiheit – und zwar dieselbe Freiheit, die ich für Cannabis einfordere. Ich verlange Konsequenz: Entweder man behandelt Substanzen nach dem Schadpotenzial, dann müsste Alkohol ganz oben auf der ärztlichen Agenda stehen. Oder man respektiert die Autonomie Erwachsener – dann gelten diese Freiheiten für alle legalen Substanzen gleich.
Was nicht geht: Cannabis in einer Resolution als besonders gefährlich zu behandeln, während Alkohol mit deutlich höheren Todeszahlen als gesellschaftliche Normalität akzeptiert wird. Das ist ein doppelter Standard. Und doppelte Standards haben in einer wissenschaftlichen Argumentation nichts zu suchen.
Eine unserer sechs Fragen an die ÄKN Niedersachsen greift genau das auf. Bis heute: keine Antwort. Zur früheren CSC E-Mail-Aktion haben Hunderte mitgemacht und Wirkung gezeigt. Jetzt brauchst du deine Stimme wieder – für Transparenz, nicht für Verbote.
Jetzt mitmachen: E-Mail an die ÄKN senden →
📚 Quellen: RKI – Alkohol und Gesundheit · Destatis – Todesursachenstatistik Deutschland · DKFZ – Tabakabhängigkeit und Sterblichkeit · ÄKN-Resolution 14.03.2026 · cannachris.de/aekn-anfrage